35789 Weilmünster

Mühlweg 15

Weilmünster

Entstehung und Landschaft

Der Marktflecken Weilmünster liegt im nördlichen Taunus. Dieser ist ein Teil des Rheinischen Schiefergebirges, das vor ca. 350 Millionen Jahren von gewaltigen Kräften aus dem Meer emporgehoben wurde und ein relativ ebenes Rumpfgebirge formte.

Vor 30 Millionen Jahren dehnten sich auf dem Hochplateau unserer Region weite Sumpflandschaften aus. Ein leichtes Abkippen der Schollen bewirkte, dass sich dieses Hochplateau nach Norden neigte. So schnitt „das abfließende Wasser die heutigen Täler in das Rumpfgebirge ein. Diese Bewegungen führten auch dazu, dass die Lahn, die ur-sprünglich nach Osten floss, ihren Abfluss nach Westen, also zum Rhein hin verlegte“ [i]. Auch die Weil, die am Großen Feldberg (880 m), dem höchsten Berg des Taunus, entspringt, fließt nach Norden der Lahn zu. Nahe Weilburg, in der Guntersau, vereinigt sie sich mit ihr.

Erste Besiedlung

Die Geschichte der Besiedlung unserer Region reicht mindestens bis in die späte Jungsteinzeit zurück (um 2000 v. Chr.), als die Menschen auch hier begannen, Gebrauchsgegenstände, Waffen und Schmuck aus Metallen zu formen. Denn im heimischen Raum fand man reichliche Vorkommen an Blei, Kupfer, Silber und Eisen, die nachweislich schon von den Kelten im ersten vorchristlichen Jahrtausend genutzt wurden. Auch auf dem Gebiet unserer Gemeinde finden sich keltische Besiedlungs-spuren: die Reste einer Ringburg bei Rohnstadt und Gräber im Maar bei Dietenhausen.

Ersterwähnung Weilmünsters und wirtschaftliche Entwicklung

Mit der zunehmenden Nutzung des Wassers für den Antrieb von Eisenhämmern und Getreidemühlen verlagerten sich die Siedlungen von den Höhen in die Täler. Weilmünster wird erstmals 1217 urkundlich erwähnt, was aber wenig über seine Gründung aussagt. Es lag an der Kreuzung der alten Höhenwege Höchst – Wetzlar und Kassel – St. Goar[ii]. Die oben genannten Metalle bildeten die Grundlage für die Entwicklung der Gemeinde im Mittelalter. Eine Schenkung durch den Grafen Johann von Nassau-Merenberg im Jahre 1355 hatte bereits einen großen Wald, den Buhlenberg, für die Gewinnung von Holzkohle für Schmelze, Guss und Schmiede eingebracht; hundert Jahre später waren die Weilmünsterer finanziell so gut aufgestellt, dass sie verschuldeten Adelsfamilien mehrere Walddistrikte im Quellgebiet des Möttbaches abkaufen konnten. So blühte in Weilmünster neben dem Bergbau besonders das eisenverarbeitende Gewerbe und seit dem 16. Jahrhundert der Abbau von Dachschiefer und das Dachdeckerhandwerk. Und „gleichzeitig entwickelte sich ein reger Handel mit Wolle, Seife und Häuten, der vor allem von jüdischen Kaufleuten betrieben wurde“[iii].

Streit mit dem Grafen von Nassau

Deshalb konnte es nicht verwundern, dass der wachsende Wohlstand Weilmünsters Ziel der Begehrlichkeit des Grafen Albrecht von Nassau (1537-1593) wurde. Dieser hatte nicht nur das neue Weilburger Schloss geerbt, sondern auch hohe Schulden. Aber das hielt ihn nicht davon ab, das Schloss um den Nordflügel und den Stadtpfeiferturm zu erweitern sowie den Tiergarten anlegen zu lassen. Aber die Weilmünsterer Bauern, Bergleute, Handwerker und Kaufleute weigerten sich beharrlich, in ungebührlicher Weise zur Sanierung des gräflichen Haushalts herangezogen zu werden. Auch von Ge-walttätigkeiten, Schikanen und sonstigen Rechtsbrüchen ließen sie sich nicht schrecken und setzten ihrerseits Zeichen: Sie rissen dem Schultheißen, dem gräflichen Vertreter vor Ort, seinen wohlgepflegten Bart aus und warfen den Armen in die Weil; später über-zogen sie ihren Grundherrn mit 46 Klagen vor dem Reichskammergericht zu Speyer.

Weilmünster erhält Marktrecht und Freiheitsbrief

Aber erst unter Graf Ludwig II. (1565-1627), Albrechts Sohn, kam es zum für Weilmünster glücklichen Ende des Konflikts: Er beantragte bei Kaiser Rudolf II. zu Prag, Weilmünster die Marktrechte zu verleihen[iv] (1601). Diese rechtliche und wirtschaftliche Aufwertung ermöglichte im Jahre 1695 den Erwerb des Freiheitsbriefs[v] des Grafen Johann Ernst von Nassau-Weilburg, der die Ablösung des Ortes von der Leibeigenschaft brachte. Denn der Landesfürst ließ sich dieses Privileg teuer abkaufen – für die stattliche Summe von 12.000 Gulden.

Niedergang

Der Aufbau des Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert bedeutete das Aus für die alten Fernhandelswege und den Verlust der früheren zentralen Bedeutung Weilmünsters. Auch der verspätete Bau der Weiltalbahn (1890) änderte daran nichts. Die Waren-ströme verschoben sich, denn es entstanden neue Verkehrslinien und neue städtische Zentren. Zusätzlich verlagerte sich die Eisenindustrie hin zu den Steinkohlelagern ins Ruhrgebiet und an die Saar. Im Tagebau abgebaute und deshalb billigere Erze aus dem Ausland führten Schritt für Schritt zur Schließung aller heimischer Erzgruben (als letzte: Grube Fortuna, Oberbiel, 1983) und auch zur Stilllegung der Weiltalbahn.

Die Gemeinde Weilmünster heute

Weilmünster ist heute die flächenmäßig größte Gemeinde des Landkreises Limburg-Weilburg im Bundesland Hessen. Zusammen mit seinen Ortsteilen hat es knapp 9.000 Einwohner, für deren Versorgung mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs es an nichts fehlt. Die weitaus meisten Fachgeschäfte, Fachwerkstätten, Handwerksbe-triebe, Supermärkte sowie Dienstleister konzentrieren sich in der Kerngemeinde selbst. Weilmünster ist heute erneut ein bevorzugter Handelsplatz von Bedeutung für eine weitere Umgebung. Auch eine Reihe kleiner und mittlerer Industriebetriebe haben sich dem strukturellen Wandel angepasst und bieten einer gut ausgebildeten Facharbeiter-schaft Arbeitsplätze an. Von größter Bedeutung für den Ort sind die Vitos-Klinik und die beiden Weilmünsterer Schulen. Eine Vielzahl von Arbeitnehmern sucht jedoch Arbeits-plätze außerhalb der Gemeinde- und Landkreisgrenzen auf, vor allem im nahen Rhein-Main-Gebiet. Für Arbeit wie Versorgung gilt: Die Weilmünsterer müssen mobil sein und sind besonders in den Ortsteilen auf ihr Auto angewiesen.

 


[i] Wolfgang Heller, Heller’s Taschenführer Weilmünster, 1996

[ii] Heller, a.a.O.

[iii] Heller, a.a.O.

[iv] Heimatverein Weilmünster in: Weilmünsterer Nachrichten Nr. 37, 2014

[v] abgedruckt in: Herbert Keiper, Aus fast vergessenen Zeiten, 1982